Vom 18. bis 20. September 2019 machte die begehbare Installation „wood passage" Station an der Münchner Freiheit. Entwickelt von Lignum Schweiz, proHolz Austria und proHolz Bayern, sollte sie Besuchern den Weg vom stehenden Baum über das Sägewerk bis zum fertigen Holzhaus sinnlich erlebbar machen. Die Grundidee: Wer Holzbau verstehen soll, muss die Wertschöpfungskette verstehen – von der forstlichen Umtriebszeit bis zur Verarbeitung von Brettschichtholz im Werk.
Drei Verbände, eine Botschaft
Die Initiative bündelt Kommunikationskraft aus drei Ländern. Lignum Schweiz setzt seit Jahren auf öffentlichkeitswirksame Projekte wie den Lignum-Pavillon, um Holz als urbanen Baustoff zu positionieren. proHolz Austria und proHolz Bayern zielen vor allem auf politische Entscheider und Bauträger – Zielgruppen, die den mehrgeschossigen Holzbau von der Ausnahme zur Regel machen sollen. Die Installation greift diese Ambition auf: Sie erklärt nicht nur die Ökobilanz, sondern auch statische Grundlagen und Brandschutzlösungen.
Was bringt die Tour für Schreinereibetriebe?
Für Sie als Tischler oder Möbelfertiger ist die Installation zunächst indirekt relevant. Wächst die Akzeptanz von Holzbau im urbanen Raum, steigen die Auftragsvolumina für Innentüren, Treppenstufen und Innenausbau-Elemente. Gleichzeitig profitieren Sie, wenn Architekten und Bauherren die technischen Möglichkeiten von Brettschichtholz besser einschätzen können. Das reduziert Planungsfehler – etwa falsche Annahmen zur Holzfeuchte oder zur Verarbeitung.
Allerdings erreichen solche Wanderinstallationen selten das Fachhandwerk direkt. Häufiger sprechen sie Laien, Studierende oder Kommunalpolitiker an. Für eine Schreinerei, die in Holzbau-Projekten mitwirkt, bleibt die Frage: Wann wird die Sensibilisierung in konkrete Aufträge übersetzt?
Holzbau zwischen Leuchtturmprojekt und Massenmarkt
Der Erfolg von „wood passage" lässt sich nicht an Besucherzahlen messen, sondern daran, ob sich mittelfristig Genehmigungsverfahren beschleunigen und Förderprogramme für Holzbau im Klimawandel verstetigt werden. Die Erfahrung zeigt: Mediale Aufmerksamkeit allein ersetzt keine verlässlichen Rahmenbedingungen. Solange mehrgeschossiger Holzbau in vielen Bundesländern Ausnahmegenehmigungen erfordert, bleibt er – trotz solcher Initiativen – ein Nischenmarkt mit hohen Planungskosten.
Für Betriebe, die auf den Holzbau-Trend setzen, lohnt der Blick auf die politische Entwicklung: Projekte wie Wiens WohnBAUMProgramm zeigen, dass kommunale Initiativen oft mehr bewirken als öffentlichkeitswirksame Wanderausstellungen.