Die Holzbau Franke GmbH aus Tuntenhausen bei Rosenheim richtet ihren Fokus verstärkt auf den Münchner Sanierungsmarkt. Während Neubau-Aufträge in den vergangenen Jahren konjunkturbedingt schwankten, positioniert sich das Unternehmen nun gezielt im Segment der energetischen Gebäudesanierung – einem Bereich, der durch das novellierte Gebäudeenergiegesetz (GEG) und steigende Energiekosten zusätzliche Dynamik erfährt. Die strategische Ausrichtung wirft Fragen auf: Welche Chancen bietet dieser Markt tatsächlich und wie differenziert sich ein regionaler Holzbaubetrieb in einem hart umkämpften Umfeld?
Gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen Nachfrage
Das Gebäudeenergiegesetz hat die Anforderungen an Bestandsgebäude verschärft. Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern stehen unter Zugzwang: Wer eine Immobilie erwirbt, muss binnen zwei Jahren ineffiziente Heizkessel austauschen oder die oberste Geschossdecke dämmen. Auch Fassaden und Dächer rücken in den Fokus, wenn die energetische Bilanz verbessert werden soll. Für einen Holzbaubetrieb wie Holzbau Franke ergeben sich daraus konkrete Geschäftsfelder: Dachsanierung mit zusätzlicher Dämmebene, Aufstockung in Brettschichtholz-Bauweise zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums und die Ertüchtigung von Holzfassaden.
Im Großraum München verschärft sich die Situation durch die hohe Immobiliendichte und den Eigentümer-Mix aus privaten Einzelbesitzern, Wohnungsbaugenossenschaften und institutionellen Investoren. Wer hier Fuß fassen will, muss nicht nur technisch liefern, sondern auch Projektmanagement und schnelle Umsetzungszyklen bieten – Eigenschaften, die klassische Zimmereien oft erst aufbauen müssen.
Holzbau als Sanierungsmaterial: Vorteile und Herausforderungen
Der Werkstoff Holz bietet für energetische Sanierungen gleich mehrere Argumente: Leichtigkeit ermöglicht Aufstockungen ohne zusätzliche Fundamentarbeiten, die CO₂-Bilanz überzeugt im Vergleich zu mineralischen Dämmstoffen, und die Vorfertigung im Werk verkürzt die Bauzeit vor Ort. Gerade bei bewohnten Objekten ist die Minimierung der Baustellenphase ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Holzbau Franke setzt auf vorgefertigte Wandelemente, die innerhalb weniger Tage montiert und gedämmt werden können – ein Ansatz, der bei CO₂-bewussten Bauherren auf Resonanz stößt.
Doch die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Im Sanierungsbereich treffen Handwerker auf gewachsene Gebäudestrukturen: unebene Mauerwerksanschlüsse, schwer kalkulierbare Unterkonstruktionen und oft fehlende Bestandspläne. Die Holzfeuchte muss präzise gesteuert werden, um Schäden durch Tauwasser oder Schimmelbildung in der Dämmebene zu vermeiden. Zudem konkurriert Holz mit etablierten Sanierungssystemen aus Mineralwolle und Polystyrol, die in der Verarbeitung standardisierter und günstiger sind.
Marktumfeld: Wer konkurriert um die Münchner Sanierungsaufträge?
Der Sanierungsmarkt im Großraum München ist zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen spezialisierte Energieberater und Fassadenbauer, die sich auf mineralische Dämmsysteme konzentrieren und über etablierte Vertriebswege zu Architekten und Hausverwaltungen verfügen. Auf der anderen Seite positionieren sich einige Holzbaubetriebe wie Holzbau Franke als ganzheitliche Anbieter, die Planung, Fertigung und Montage aus einer Hand liefern.
Die zentrale Frage lautet: Kann ein regionaler Zimmerbetrieb mit einer offensiven Marketingstrategie in einem Markt punkten, in dem Generalunternehmer und Systemanbieter bereits fest verankert sind? Die Antwort hängt von der Fähigkeit ab, Referenzobjekte vorzuweisen, technische Kompetenz in Sachen Bauphysik und Brandschutz nachzuweisen und Entscheidungsträgern gegenüber die Vorteile des Werkstoffs Holz klar zu kommunizieren. Wer hier nur auf Preis setzt, wird es schwer haben – Differenzierung über Nachhaltigkeit, kurze Bauzeiten und regionale Wertschöpfung sind die entscheidenden Hebel.
Strategische Positionierung: Marketing oder Substanz?
Die Holzbau Franke GmbH nutzt gezielt digitale Kanäle und Suchmaschinenoptimierung, um im Münchner Einzugsgebiet sichtbar zu werden. Eine professionelle Online-Präsenz ist in einem Markt, in dem Bauherren und Architekten zunehmend online recherchieren, unverzichtbar. Doch digitale Sichtbarkeit allein reicht nicht – entscheidend ist die Lieferfähigkeit im Projekt. Wie schnell kann der Betrieb auf Anfragen reagieren? Welche Kapazitäten stehen für größere Sanierungsvorhaben bereit? Und wie ist das Unternehmen in puncto Bauphysik, Fördermittelberatung und Zertifizierungen aufgestellt?
Die Verbindung von klassischem Zimmerhandwerk und moderner Holzbautechnik – etwa durch den Einsatz von CNC-gefertigten Holzverbindungen – könnte ein Alleinstellungsmerkmal sein. Doch hier zeigt sich auch die Grenze eines mittelständischen Betriebs: Während große Holzbauunternehmen wie W. u. J. Derix auf automatisierte Fertigungslinien und eigene Ingenieurteams setzen, müssen kleinere Betriebe Kooperationen eingehen oder Fremdleistungen einkaufen.
Ausblick: Sanierungsmarkt als langfristiges Geschäftsfeld?
Die energetische Sanierung wird auf absehbare Zeit ein wachsendes Marktsegment bleiben. Die EU-Gebäuderichtlinie verschärft die Anforderungen weiter, Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene schaffen finanzielle Anreize und der Druck auf Eigentümer steigt. Für Holzbaubetriebe wie Holzbau Franke bietet sich die Chance, sich in einem Markt zu etablieren, der weniger konjunkturanfällig ist als der Neubau und zugleich die Stärken des Werkstoffs Holz ausspielen kann.
Ob die Offensive im Münchner Sanierungsmarkt langfristig erfolgreich ist, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: der Fähigkeit, über den reinen Holzbau hinaus Bauphysik, Fördermittelberatung und Projektkoordination zu bieten; der Bereitschaft, in Weiterbildung und technische Ausstattung zu investieren; und nicht zuletzt von der Fähigkeit, Referenzen zu schaffen, die die Qualität und Zuverlässigkeit des Betriebs unter Beweis stellen. Der Markt ist da – die Frage ist, wer ihn dauerhaft bedienen kann.
