Holzwerkstoffe gelten als klimafreundliche Alternative zu Stahl und Beton – doch die Produktionskette von Spanplatten, MDF und OSB ist energieintensiv. Sonae Arauco, ein international tätiger Hersteller mit Standorten in der Schweiz, bewirbt auf einer neuen Unterseite sein Nachhaltigkeitsengagement. Für Planer, Tischler und Holzbaubetriebe stellt sich die Frage: Wie glaubwürdig sind die Versprechen, und welche konkreten Kennzahlen stehen dahinter?

Holzwerkstoffe im Spannungsfeld von Rohstoff und Energie

Die Herstellung von Holzwerkstoffen – von Spanplatten über MDF bis hin zu Furnierholz – erfordert erhebliche Mengen thermischer Energie für Trocknung und Verpressen. Gleichzeitig bindet das Material Kohlenstoff über die gesamte Nutzungsdauer. Diese Ambivalenz prägt die Nachhaltigkeitsdebatte: Einerseits substituiert Holz fossile Baustoffe, andererseits hängt die CO₂-Bilanz stark vom Energiemix des Standorts ab. Sonae Arauco betont in seiner Kommunikation die Verwendung von Restholz, Sägenebenprodukten und zertifizierten Frischholzanteilen – ein Ansatz, der in der Branche Standard ist, aber in der Umsetzung große Unterschiede aufweist.

Für Betriebe, die Holzbau im Klimawandel als strategisches Geschäftsfeld verstehen, wird die Herkunft des Materials zur Planungsgröße. Bauherren, die nach DGNB oder LEED zertifizieren wollen, fordern Nachweise über Primärenergieverbrauch, Transportwege und Recyclingfähigkeit. Auch im Innenausbau – von Möbelkorpussen bis zur Wandverkleidung – steigt die Nachfrage nach transparenten Lieferketten.

Zertifizierungen und Transparenz: Was zählt in der Praxis?

Sonae Arauco verweist auf FSC- und PEFC-Zertifikate sowie auf Umweltproduktdeklarationen (EPDs) nach EN 15804. Diese Dokumente sind für Ausschreibungen im öffentlichen Bau mittlerweile unverzichtbar. Die EPD bildet die Umweltwirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus ab – von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zur Entsorgung. Konkrete Zahlen zu CO₂-Emissionen pro Kubikmeter oder zur Energieintensität einzelner Werke fehlen allerdings in der öffentlichen Kommunikation des Unternehmens.

Im Vergleich zu anderen Herstellern wie Kronospan oder Pollmeier, die detaillierte Nachhaltigkeitsberichte mit standortbezogenen Kennzahlen veröffentlichen, bleibt die Datenlage bei Sonae Arauco bislang schmal. Für Architekten und Statiker, die Holzwerkstoffe in Ökobilanzen einpflegen müssen, ist diese Granularität entscheidend: Nur wer den U-Wert seiner Wandkonstruktion und die graue Energie der Spanplatte kennt, kann realistische CO₂-Fußabdrücke ermitteln.

Kreislaufwirtschaft und Recycling: Potenzial versus Umsetzung

Ein zentraler Hebel für Nachhaltigkeit in der Holzwerkstoffbranche ist die Kaskadennutzung: Altholz aus Abbruch und Rückbau wird zu neuen Platten verarbeitet, statt thermisch verwertet zu werden. Sonae Arauco kommuniziert die Nutzung von Altholz als Teil seines Rohstoffmixes – allerdings ohne Prozentangaben oder Mengenbilanz. Zum Vergleich: Projekte wie jenes von Schmid Holzbau mit Urban-Mining-Zertifikat zeigen, dass detaillierte Materialbilanzen und Rückbaukonzepte heute technisch umsetzbar sind.

In der Möbelindustrie, einem Hauptabsatzmarkt für Spanplatten und MDF, wächst der Druck in Richtung Kreislaufwirtschaft. Möbelhersteller verlangen zunehmend Platten mit definierten Recyclinganteilen, die sich auch nach Jahren noch sortenrein trennen lassen. Hier spielt die Oberflächenbeschichtung eine Rolle: Melaminharze, PVC-Kanten oder Furnier beeinflussen die Recyclingfähigkeit erheblich. Sonae Arauco bietet verschiedene Oberflächen an – von rohen Platten bis zu dekorativierten Varianten –, doch die Frage, wie sich diese am Lebensende trennen lassen, bleibt oft offen.

Energiemix und Standortwahl: Der Schweizer Kontext

Sonae Arauco Suisse profitiert vom schweizerischen Strommix, der einen hohen Anteil an Wasserkraft aufweist. Das senkt die CO₂-Intensität der Produktion im Vergleich zu Standorten, die Kohlestrom beziehen. Allerdings ist die thermische Energie für Holztrocknung und Pressvorgang oft fossil – hier setzen viele Werke auf Erdgas oder Biomasse aus eigenen Reststoffen. Konkrete Angaben zum Anteil erneuerbarer Wärme oder zu Investitionen in Biomassekessel fehlen in der öffentlichen Darstellung von Sonae Arauco.

Für Holzbaubetriebe, die klimaneutrale Gebäude realisieren wollen, wird diese Lücke zum Problem. Wer nach SIA 2040 (Schweizer Norm für CO₂-neutrale Gebäude) plant, muss jede Tonne graue Energie dokumentieren. Hersteller, die transparente Daten liefern, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil – etwa bei Ausschreibungen für öffentliche Bauten oder für Projekte mit Minergie-ECO-Label.

Vergleich mit Best Practice: Was andere Hersteller vorlegen

Ein Blick auf die Branche zeigt: Nachhaltigkeitskommunikation allein reicht nicht mehr. Hersteller wie W. u. J. Derix im Bereich Brettschichtholz oder Fantoni bei MDF-Platten veröffentlichen jährlich CO₂-Bilanzen, Energieverbräuche und Recyclingquoten. Solche Berichte ermöglichen es Planern, Varianten zu vergleichen und fundierte Materialentscheidungen zu treffen. Sonae Arauco hat hier Nachholbedarf: Die neue Unterseite zum Nachhaltigkeitsengagement bleibt auf der Ebene von Absichtserklärungen und Zertifikatslogos.

Auch im Vergleich zu aktuellen Entwicklungen wie dem strukturierten Muster-Service für die DACH-Region oder der Erneuerung des Dekor- und Texturprogramms zeigt sich: Sonae Arauco investiert in Vertrieb und Design, während die Datenbasis für Nachhaltigkeitsnachweise noch ausbaufähig ist.

Fazit: Nachhaltigkeitskommunikation braucht Zahlen

Sonae Arauco bewegt sich mit seinem Nachhaltigkeitsengagement im Mainstream der Holzwerkstoffindustrie: Zertifikate sind vorhanden, Restholznutzung wird betont, Kreislaufwirtschaft wird angesprochen. Was fehlt, sind quantifizierbare Ziele, standortbezogene Emissionsdaten und transparente Fortschrittsberichte. Für Planer, Architekten und Tischler, die Holzwerkstoffe in klimaoptimierten Projekten einsetzen wollen, sind diese Informationen jedoch zentral.

Die Holzwerkstoffbranche steht vor der Herausforderung, ihre ökologischen Versprechen messbar zu machen. Hersteller, die diesen Schritt gehen, positionieren sich für eine Zukunft, in der CO₂-Budgets und Lebenszyklusanalysen über Markterfolg entscheiden. Sonae Arauco hat die Chance, von allgemeinen Nachhaltigkeitsaussagen zu konkreten Bilanzen zu wechseln – und damit den Anschluss an die Best-Practice-Standards der Branche zu halten.

Quellen