Eine neue Umfrage der Schweizer Renovationsplattform ofri.ch bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Wenn ältere Menschen ihr Zuhause umbauen oder ins Altersheim ziehen, steckt dahinter meist kein Wunsch nach Komfort – sondern struktureller Zwang. Finanzielle Engpässe, bauliche Hürden und fehlende Alternativen prägen die Realität vieler Senioren in der Schweiz. Für Handwerksbetriebe im Innenausbau und in der Tischlerei bedeutet das gleichzeitig: Die Nachfrage nach altersgerechten Umbauten wird weiter steigen – und mit ihr die Anforderungen an praktikable, bezahlbare Lösungen.
Altersgerechter Umbau: Kein Luxus, sondern Sachzwang
Die Umfrage von ofri.ch macht deutlich, dass viele Schweizer Seniorinnen und Senioren vor einer schwierigen Entscheidung stehen: Entweder sie investieren in oft teure bauliche Anpassungen ihres Zuhauses, oder sie ziehen in ein Altersheim – eine Option, die viele als Verlust von Selbstbestimmung empfinden. Der Renovationsexperte beleuchtet dabei die strukturellen Zwänge: Ältere Wohngebäude sind in der Regel nicht für die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität konzipiert. Enge Treppenhäuser, fehlende Aufzüge, hohe Schwellen, schmale Türrahmen und unzugängliche Badezimmer machen das tägliche Leben zur Herausforderung.
Wer sein Zuhause barrierefrei umbauen will, steht vor hohen Kosten: Der Einbau eines Treppenlifts, die Verbreiterung von Türöffnungen, der Umbau eines Badezimmers zur bodengleichen Dusche oder die Installation rutschfester Bodenbeläge summieren sich schnell zu fünfstelligen Beträgen. Hinzu kommt, dass viele Immobilien in der Schweiz Mietobjekte sind – und Vermieter oft nicht bereit sind, solche Investitionen zu tragen. Eigentümer älterer Einfamilienhäuser wiederum müssen klären, ob sich der Umbau langfristig lohnt oder ob ein Umzug in betreutes Wohnen nicht die ökonomisch sinnvollere Variante ist.
Was kostet der altersgerechte Umbau wirklich?
Die Kostenfrage ist zentral – und für viele Betroffene der entscheidende Faktor. Ein barrierefreier Badumbau mit bodengleicher Dusche, befahrbarer Duschrinne, Haltegriffen und höhenverstellbarem WC kann je nach Ausgangslage zwischen 15.000 und 35.000 Schweizer Franken kosten. Der Einbau eines Treppenlifts liegt je nach Treppenform zwischen 8.000 und 25.000 Franken. Türverbreiterungen, der Abbau von Schwellen und der Einbau schwellenloser Übergänge sind handwerklich anspruchsvoll: Hier sind präzise Anpassungen an bestehende Holzverbindungen und Zargen gefragt – ein klassisches Aufgabenfeld für die Tischlerei.
Doch nicht nur die direkten Baukosten schlagen zu Buche. Viele Umbaumaßnahmen erfordern Genehmigungen, statische Prüfungen und koordinierte Gewerke. Wer beispielsweise eine Rampe statt einer Außentreppe bauen will, muss je nach Gemeinde Bauvorschriften und Abstände zum Nachbargrundstück berücksichtigen. Hinzu kommt: Während der Bauphase ist das Wohnen in den betroffenen Räumen oft nur eingeschränkt möglich – eine zusätzliche Belastung für ältere Menschen, die auf geregelte Abläufe angewiesen sind.
Holzbau und Innenausbau: Welche Lösungen sind praxistauglich?
Für Sie als Tischler oder Innenausbauer ergeben sich aus dieser Marktsituation konkrete Geschäftschancen – aber auch die Verantwortung, praktikable, bezahlbare und schnell umsetzbare Lösungen anzubieten. Schwellenlose Türübergänge lassen sich mit modernen Zapfenverbindungen und flächenbündigen Zargen realisieren. Rutschfeste, aber pflegeleichte Holzböden – etwa geölte Eiche oder spezielle Oberflächenbehandlungen mit Osmo-Hartwachsölen – bieten Sicherheit ohne Klinikcharakter.
Auch der gezielte Einsatz von Brettschichtholz für nachträgliche Verstärkungen oder Anbauten kann sinnvoll sein: Rampen, Podeste oder kleine Erweiterungen lassen sich mit diesem Material schnell, tragfähig und zugleich ästhetisch umsetzen. Wichtig ist dabei, dass Sie Ihre Kunden aktiv beraten: Welche Maßnahmen sind wirklich nötig, welche sind „nice to have"? Wo lassen sich Kosten sparen, ohne Sicherheit oder Funktion zu opfern?
Förderung und Finanzierung: Was Ihre Kunden wissen sollten
In der Schweiz gibt es verschiedene Förderprogramme, die den altersgerechten Umbau finanziell unterstützen. Das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen fördert nicht nur energetische Sanierungen, sondern unter bestimmten Bedingungen auch Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. Ergänzungsleistungen zur AHV können unter Umständen ebenfalls für bauliche Anpassungen herangezogen werden – hier lohnt sich die Beratung durch Sozialberatungsstellen.
Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Wer seinen Kunden nicht nur handwerkliche Qualität, sondern auch Orientierung im Förderdschungel bietet, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil. Es lohnt sich, die wichtigsten Förderprogramme zu kennen und im Erstgespräch anzusprechen – das schafft Vertrauen und senkt die Hemmschwelle für Investitionen.
Fazit: Altersgerechter Umbau als Wachstumsfeld für das Handwerk
Die Umfrage von ofri.ch zeigt: Der altersgerechte Umbau ist für viele Schweizer Senioren keine Lifestyle-Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit. Wer nicht umzieht, muss bauen – und zwar nicht selten unter Zeitdruck, wenn die Mobilität plötzlich eingeschränkt ist. Für Tischlereien und Innenausbaubetriebe ist das eine langfristige Wachstumschance, aber auch eine Verantwortung: Gefragt sind schnelle, kostengünstige und dennoch hochwertige Lösungen, die den Alltag älterer Menschen wirklich verbessern.
Wer sich als Handwerksbetrieb in diesem Segment positionieren will, sollte nicht nur auf technische Kompetenz setzen, sondern auch auf Empathie, klare Kommunikation und fundierte Beratung zu Förderung und Finanzierung. Denn am Ende geht es nicht nur um Rampen und Türschwellen – sondern darum, Menschen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.
Weitere Praxisbeispiele für Renovationsprojekte finden Sie in unserem Beitrag Denkmalschutz als Chance: Pariser Holzhandwerk restauriert Châtelet in Mervent. Wie digitale Werkzeuge den Planungsprozess unterstützen können, beleuchtet der Artikel Zimmereibetrieb LM Charpentes setzt auf digitale Neuausrichtung.
