Hettich hat seine Kundenkanäle neu strukturiert und bietet ab sofort differenzierte Bestelloptionen für verschiedene Zielgruppen an. Der Beschlägehersteller richtet sich mit eigenen Service-Bereichen gezielt an Industriekunden, Tischler, Architekten, Händler, Endkunden und Monteure. Für die tägliche Werkstatt-Praxis bedeutet das: direktere Wege zu Ersatzteilen, Montage-Hilfen und produktspezifischen Informationen – ohne Umwege über allgemeine Produktkataloge.

Sechs Zielgruppen, sechs Einstiegswege

Hettich hat seine Website so umgebaut, dass Sie beim Einstieg die für Sie passende Zielgruppe auswählen können. Wer als Tischler oder Schreiner arbeitet, landet im „Tischler-Bereich" mit dem Claim „Mit Hettich einfach besser machen". Industriekunden finden unter „Gemeinsam mit Hettich zum Erfolg" Informationen zu Serienbestellungen und Plattformkonzepten. Architekten, Händler, Endkunden und Monteure erhalten jeweils eigene Bereiche mit zielgerichteten Inhalten.

Die Trennung soll laut Hettich den Zugang zu relevanten Produkten und Services beschleunigen. Für kleinere Schreinereien, die bisher zwischen Händler- und Direktbezug wechselten, entsteht dadurch eine klarere Orientierung: Der Tischler-Bereich bündelt Produktinformationen, technische Daten und Verarbeitungshinweise, während der Händler-Bereich auf Partnersuche und Verfügbarkeit fokussiert ist.

Ersatzteilfinder: Scharnier-Identifikation ohne Teilenummer

Ein praxisrelevantes Tool für Werkstatt und Reparatur-Service ist der neue „Ersatzteilfinder". Hettich reagiert damit auf ein bekanntes Problem: Viele Endkunden – und auch Schreiner, die ältere Möbel instand setzen – können das defekte Scharnier-Modell nicht eindeutig benennen. Der Ersatzteilfinder führt durch gezielte Fragen, erklärende Fotos und kurze Videoclips Schritt für Schritt zum passenden Beschlag.

Für Sie als Tischler bedeutet das: Wenn ein Kunde mit einem ausgeleiert Topfband in die Werkstatt kommt, können Sie das Modell direkt am Bildschirm identifizieren – ohne Katalog-Wälzen oder Rückfragen beim Hersteller. Das Tool ist rund um die Uhr erreichbar und eignet sich auch für Monteure, die vor Ort schnell Ersatz bestellen müssen.

Wer profitiert konkret?

  • Tischler und Schreiner: Direkter Zugriff auf Montage-Anleitungen, Ersatzteile und Produktvarianten für individuelle Aufträge.
  • Möbelfertiger (Industriekunden): Plattformkonzepte für Schubkastensysteme und Führungen, die wirtschaftliche Serien-Kombinationen ermöglichen.
  • Händler: Eigene Bestellwege, Verfügbarkeitsanzeigen und Partnersuche – Hettich betont hier „Vertrauen als wichtige Basis".
  • Monteure: Schnellzugriff auf Montage-Hilfen und Ersatzteile bei Zeitdruck auf der Baustelle.
  • Endkunden: Einstieg über „Möbel neu erleben" mit Fokus auf Komfort-Features und Scharnier-Dämpfung.

Schubkastensysteme und Scharniere: Plattformkonzept für wirtschaftliche Serien

Im Industriekunden-Bereich hebt Hettich das Plattformkonzept hervor: „Individuelle Kombinationen aus Design und Funktion lassen sich mit den Hettich Schubkastensystemen dank Plattformkonzept wirtschaftlich umsetzen." Für Möbelfertiger, die kundenspezifische Varianten in Serie produzieren, ist das relevant – etwa bei Korpusmöbeln mit wechselnden Blenden- und Zargen-Designs.

Bei Scharnieren setzt Hettich auf integrierte Dämpfung als Standard. „Die Scharniertechnologie mit integrierter Dämpfung für noch mehr Komfort beim Schließen von Drehtüren" ist in der neuen Struktur prominent platziert. Für Sie als Verarbeiter heißt das: Soft-Close ist kein Add-on mehr, sondern Basis-Ausstattung – entsprechend müssen Sie bei der Kalkulation nicht mehr zwischen gedämpften und ungedämpften Varianten jonglieren.

Schiebetür- und Falttürsysteme: Puristische Fronten bis Deckenhöhe

Hettich positioniert seine Schiebetürsysteme für „großflächige, puristische Möbelfronten – bis hin zu deckenhohen Schränken und Raumteilern". Falttürsysteme ermöglichen laut Hersteller „interessante, variantenreiche Frontdesigns". Beide Systeme sind für Schreiner interessant, die im gehobenen Innenausbau oder bei Ankleide-Projekten auf grifflose, flächenbündige Lösungen setzen.

Konkurrenz in diesem Segment kommt unter anderem von Salice, das zuletzt mit überlagernden Schranktüren und flächenbündigen Schiebesystemen aufgefallen ist. Auch Julius Blum bietet vergleichbare Dämpfungstechnologien für Drehtüren und Auszüge. Für Ihre Werkstatt bedeutet das: Die Auswahl zwischen Hettich, Salice und Blum sollten Sie nicht nur nach Katalogpreis, sondern auch nach Verfügbarkeit beim lokalen Händler und nach Einbau-Aufwand (Bohrbilder, Justier-Optionen) treffen.

Schrankinnenausstattung: „So schön kann Ordnung sein"

Mit dem Slogan „Schrankinnenausstattung – so schön kann Ordnung sein" bewirbt Hettich Auszugssysteme für Küche, Hauswirtschaftsraum und Ankleidezimmer. „Intelligente Auszugssysteme, ergonomische Lösungen und funktionales Design schaffen Stauraum, wo er wirklich gebraucht wird – komfortabel, flexibel und formschön", heißt es im neuen Webauftritt.

Für Tischler, die individuelle Küchen oder Einbauschränke planen, sind solche Systeme Standard – aber die Frage bleibt: Wie schnell sind Ersatzteile lieferbar, wenn ein Kunde nach drei Jahren einen zusätzlichen Auszug nachrüsten will? Der neue Ersatzteilfinder könnte hier tatsächlich Zeit sparen, wenn Kunde und Tischler gemeinsam das verbaute Modell identifizieren können.

Megatrends als Rahmen: Individualisierung, Urbanisierung, New Work

Hettich rahmt die neuen Bestelloptionen mit den „Megatrends Individualisierung, Urbanisierung, New Work, Digitalisierung und Nachhaltigkeit", die „Wohnen, Leben, Arbeiten so schnell und so tiefgreifend wie nie zuvor" verändern. Der Claim „IT'S ALL IN HETTICH" soll signalisieren, dass Sie „alles von uns bekommen, was es für innovative und zukunftsfähige Wohnkonzepte braucht".

Für Ihre Werkstatt heißt das konkret: Hettich positioniert sich als Systemlieferant, der nicht nur Einzelbeschläge, sondern abgestimmte Lösungen für komplette Möbelprojekte anbietet. Ob das in der Praxis Zeit spart oder nur Marketing ist, hängt davon ab, wie gut die neuen Zielgruppen-Bereiche mit technischen Details gefüllt sind – und ob Sie als Tischler dort wirklich schneller an Montagezeichnungen, Bohrbilder und Belastungstabellen kommen als bisher.

Fazit: Mehr Struktur, aber Praxis muss sich zeigen

Die neuen Bestelloptionen und Zielgruppen-Bereiche von Hettich sind ein Versuch, die Ansprache zu personalisieren und Informationswege zu verkürzen. Der Ersatzteilfinder ist ein sinnvolles Werkzeug für Reparatur- und Service-Fälle. Wie stark die Trennung zwischen Tischler-, Händler- und Industriekunden-Bereich tatsächlich Zeit spart, werden Sie in den kommenden Monaten merken – vor allem, wenn Sie Ersatzteile bestellen oder technische Details für ungewöhnliche Einbausituationen suchen.

Für kleinere Schreinereien, die bislang über den Fachhandel bezogen haben, ändert sich vermutlich wenig: Der Händler bleibt erste Anlaufstelle für Verfügbarkeit und Beratung. Größere Werkstätten, die direkt bestellen, profitieren von der klareren Navigation – sofern die technischen Inhalte im Tischler-Bereich detailliert genug sind, um Rückfragen zu vermeiden.

Einen Überblick über die konkreten Bestellwege – Online-Shop, EDI-Anbindung und Händlersuche – finden Sie im ergänzenden Artikel „Hettich erweitert Bestelloptionen: Online-Shop, EDI und Händlersuche im Überblick".

Quellen