Die HS Timber Group hat ihre Standortstruktur aktualisiert und damit erstmals einen systematischen Überblick über ihr Produktionsnetzwerk gegeben. Der Konzern verfügt über acht Werke in drei Ländern – Österreich, Deutschland und Rumänien – und deckt die gesamte Wertschöpfungskette vom Schnittholz über Brettschichtholz (BSH) bis hin zu Brettsperrholz (CLT) ab. Die Gesamtkapazität liegt bei rund 1,8 Millionen Kubikmetern Schnittholz pro Jahr, ergänzt durch BSH- und CLT-Fertigungskapazitäten an mehreren Standorten. Für Holzbau-Planer und Einkäufer ist das Produktionsnetz ein Indikator für Lieferfähigkeit und regionale Verfügbarkeit von tragenden Holzwerkstoffen.
Produktionsstruktur: Vom Sägewerk zur Verbundproduktion
Die HS Timber Group gliedert ihre Standorte in Sägewerke, Hobelwerke und Werke für weiterverarbeitete Produkte. Die Sägewerke in Steyrermühl und St. Gallen (beide Österreich) sowie in Braşov (Rumänien) bilden die Basis der Wertschöpfungskette. Sie schneiden Fichte und Tanne aus regionalem Rohholz zu Konstruktionsvollholz (KVH), Schnittholz und Kantholz. Die rumänischen Werke – neben Braşov auch Hărman – verarbeiten ebenfalls Nadelholz, wobei Hărman zusätzlich BSH-Produktion integriert.
In Deutschland betreibt die Gruppe das Werk Bad Abbach-Saalhaupt in Bayern. Der Standort ist auf die Produktion von KVH und Konstruktionsvollholz spezialisiert und beliefert vor allem den süddeutschen und österreichischen Holzbaumarkt. Die Hobelwerke in Lunz am See und Mürzhofen (Österreich) übernehmen die Weiterveredelung: Hier werden getrocknete Hölzer gehobelt, sortiert und für den Holzbau konfektioniert. Holztrocknung findet an allen Standorten statt, wobei Kammertrocknung mit Zielfeuchten zwischen 12 und 15 Prozent Standard ist.
BSH und CLT: Wo die Tragwerksprodukte entstehen
Die Produktion von Brettschichtholz und Brettsperrholz konzentriert sich auf drei Standorte: Steyrermühl, Hărman und das Werk in Kobersdorf (Österreich). Kobersdorf gilt als Kompetenzzentrum für CLT und produziert Plattenformate bis zu 3,5 Meter Breite und 16 Meter Länge. Die Festigkeitsklassen reichen von GL24h bis GL32h, die Brandschutz-Zertifizierung umfasst F30 bis F90. BSH-Träger aus Steyrermühl und Hărman werden vor allem für Hallen, Brücken und Geschossdecken eingesetzt – Spannweiten bis 24 Meter sind ohne Zwischenauflager realisierbar.
Die CLT-Produktion ist ein strategischer Schwerpunkt. Brettsperrholz kommt in mehrgeschossigen Holzbauten als lastabtragendes Wand- und Deckenelement zum Einsatz. Die HS Timber Group produziert CLT-Platten in drei, fünf, sieben und neun Lagen, wobei die Deckschichten aus visuell sortierten Fichte-Lamellen bestehen. Die Klebung erfolgt mit PUR-Klebstoffen, die für tragende Bauteile nach EN 16351 zugelassen sind. Die Brandschutz-Klassifizierung erfolgt werksintern über zertifizierte Prüfungen, die Abnahme durch externe Prüfstellen ist Standard.
Standortwahl und Rohholz-Logistik: Regionalität als Vorteil
Die Verteilung der Werke folgt einer klaren Logik: Nähe zum Rohstoff und Nähe zum Markt. Österreich ist der Heimatmarkt und Innovationsstandort, Deutschland der wichtigste Absatzmarkt für CLT und BSH, Rumänien liefert Rohholz und kostengünstiges Schnittholz für Exportmärkte. Die rumänischen Werke profitieren von der Verfügbarkeit großer Nadelholzbestände in den Karpaten, die österreichischen Standorte von kurzen Wegen zu Holzbau-Zentren in Süddeutschland, der Schweiz und Norditalien.
Die Rohholzversorgung ist regional organisiert: Jedes Werk bezieht Rundholz aus einem Umkreis von maximal 150 Kilometern. Das reduziert Transportkosten und CO₂-Emissionen und ermöglicht eine Rückverfolgbarkeit nach PEFC- und FSC-Standards. Die HS Timber Group arbeitet mit Forstbetrieben und Waldbesitzervereinigungen zusammen, um langfristige Lieferverträge zu sichern. Die Herausforderung liegt in der Qualität: Borkenkäferschäden und Sturmholz haben in Mitteleuropa die Verfügbarkeit von Starkholz reduziert, was die Produktion von langen BSH-Trägern erschwert.
Kapazität und Auslastung: Wo steht die HS Timber Group im Markt?
Mit 1,8 Millionen Kubikmetern Schnittholz-Kapazität zählt die HS Timber Group zu den größeren Akteuren in Mitteleuropa. Zum Vergleich: Marktführer wie Pollmeier oder W. u. J. Derix verfügen über ähnliche Größenordnungen, sind aber stärker auf Laubholz oder spezialisierte Produkte fokussiert. Die HS Timber Group deckt dagegen die gesamte Bandbreite ab – von Schnittholz über KVH bis zu BSH und CLT. Das macht den Konzern zu einem Vollsortimenter für den konstruktiven Holzbau.
Die Auslastung der Werke hängt stark von der Baunachfrage ab. 2023 und 2024 war der Holzbau-Markt in Deutschland rückläufig – ein Minus von 12 Prozent bei den Baugenehmigungen für Holzhäuser. Die HS Timber Group hat auf die Flaute mit Kostensenkungen und Effizienzprogrammen reagiert, Details zu konkreten Produktionsmengen oder Umsätzen nennt das Unternehmen jedoch nicht. Die Strategie liegt auf Export und Diversifikation: Neben Deutschland beliefert die Gruppe auch Märkte in Frankreich, Italien und Skandinavien, wo der Holzbau stabile Wachstumsraten verzeichnet.
Technische Standards und Zertifizierung: Was Planer wissen müssen
Alle Werke der HS Timber Group sind nach EN 14081 (Bauschnittholz), EN 14080 (Brettschichtholz) und EN 16351 (CLT) zertifiziert. Die CE-Kennzeichnung ist Standard, ebenso die Konformität mit der europäischen Bauprodukteverordnung (CPR). Für den Einsatz in tragenden Konstruktionen ist die Festigkeitsklasse entscheidend: BSH wird in GL24h bis GL32h angeboten, CLT-Platten in C24. Die Holzfeuchte liegt bei Auslieferung zwischen 12 und 15 Prozent, die Trocknung erfolgt in Trocknungskammern mit Luftzirkulation.
Brandschutz ist bei mehrgeschossigen Holzbauten ein kritischer Punkt. Die HS Timber Group bietet brandschutztechnisch klassifizierte BSH- und CLT-Elemente, die in F30-, F60- und F90-Konstruktionen eingesetzt werden können. Die Klassifizierung erfolgt über Brandprüfungen nach EN 13501-2, die Abbrandrate von Fichte liegt bei etwa 0,7 mm pro Minute. Das bedeutet: Ein BSH-Träger mit 200 mm Querschnitt erreicht F90, wenn die Resttragfähigkeit nach 90 Minuten noch gewährleistet ist. Planer müssen die Resttragfähigkeit in der statischen Berechnung nachweisen.
Strategische Ausrichtung: Ausbau oder Konsolidierung?
Die Veröffentlichung der Standortstruktur signalisiert Transparenz, lässt aber auch Fragen offen. Während Wettbewerber wie andere Holzbau-Zulieferer in den vergangenen Jahren in neue Trocknungsanlagen oder CNC-Abbundanlagen investiert haben, bleibt unklar, ob die HS Timber Group ihre Kapazitäten weiter ausbaut oder auf Konsolidierung setzt. Der Holzbau-Markt in Deutschland zeigt sich volatil – energetische Sanierung und Aufstockung bieten Wachstumschancen, die Neubauaktivität bleibt aber gedämpft.
Die geografische Verteilung der Standorte ist ein Wettbewerbsvorteil: Kurze Lieferwege zu Holzbaubetrieben in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich ermöglichen Just-in-Time-Lieferungen. Die rumänischen Werke bieten Kostenvorteile bei der Rohholzbeschaffung, allerdings sind die Transportwege länger und die Umweltbilanz schwächer. Die Herausforderung liegt in der Auslastung: Nur wenn alle Standorte wirtschaftlich betrieben werden können, rechnet sich das Produktionsnetz.
Fazit: Produktionsstruktur als Marktindikator
Die HS Timber Group hat mit ihren acht Standorten ein dichtes Produktionsnetz aufgebaut, das vom Sägewerk bis zur CLT-Platte reicht. Die Kapazität von 1,8 Millionen Kubikmetern Schnittholz ist beachtlich, die Integration von BSH- und CLT-Produktion macht den Konzern zu einem Vollsortimenter. Die Standortwahl folgt einer klaren Logik: Nähe zum Rohstoff, Nähe zum Markt, kurze Lieferwege. Für Holzbau-Planer und Einkäufer ist die Produktionsstruktur ein Indikator für Lieferfähigkeit und technische Kompetenz. Die Frage bleibt, ob die HS Timber Group in den kommenden Jahren weiter ausbaut oder ob die aktuelle Flaute im Holzbau zu Anpassungen führt.
